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Mit Leier und Schwert für die Freiheit: Vor 230 Jahren wurde Theodor Körner geboren

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Autor: Daniell Pföhringer
Quelle: https://www.compact-online.de/...
2021-09-24, Ansichten 157
Mit Leier und Schwert für die Freiheit: Vor 230 Jahren wurde Theodor Körner geboren

Theodor Körner war eine Ausnahmegestalt in der deutschen Geschichte – als Dichter und Soldat. Mehr über die großen Söhne und Töchter unseres Volkes lesen Sie in COMPACT-Geschichte Deutsche Helden – Unser Vermächtnis aus 2.000 Jahren von Jan von Flocken. Hier mehr erfahren.

Als sich der Geburtstag Theodor Körners vor fünf Jahren zum 225. Male jährte, kamen über 100 Kinder der Kita und der Grundschule des mecklenburgischen Ortes Wöbbelin, wo sich das Grabmal des Dichters befindet, zusammen, um seiner zu gedenken. Mit einem zuvor einstudierten Rollenspiel trugen sie die Höhepunkte seines Lebens vor: Körner als Student, Dichter und Soldat.

Zum Abschluss legten die Kinder Blumen am berühmten Grabmal mit Leier und Schwert nieder. Schöner kann eine Würdigung jenes Mannes, der in Wort und Tat für Deutschlands Freiheit stritt, kaum ausfallen.

Der heutzutage von vielen vergessene Theodor Körner wurde am 23. September 1791 als Sohn des Oberappellationsgerichtsrats Christian Gottfried Körner und seiner Frau Minna in Dresden geboren. Das Stadthaus der Körners war zu dieser Zeit bekannt als Treffpunkt für Künstler und Literaten, was nicht zuletzt von der engen Verbindung der wohlhabenden Familie mit Friedrich von Schiller herrührte, der von 1786 bis 1787 im Landhaus der Körners an den Loschwitzer Höhen wohnte – wo er seine berühmte Ode „An die Freude“ schrieb.

Vater Körner stand auch in regem Briefkontakt mit Goethe, Freundschaft verband ihn ebenfalls mit Geistesgrößen wie Kleist, Schlegel oder den Gebrüdern Humboldt. In diesem Umfeld konnten die geistigen Fähigkeiten des jungen Theodor prächtig gedeihen.

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Theodor Körner auf einer Darstellung aus dem 19. Jahrhundert. | Bild: CC0

Vom Schreibtisch an die Waffen

Nach dem Abitur an der Dresdner Kreuzschule studierte Körner ab 1808 an der Bergakademie Freiberg und schloss sich der studentischen Landsmannschaft der Montanen, dem heutigen Corps Saxo-Montania, an. 1810 wechselte er nach Leipzig, wo er ein Jurastudium begann und bei der Landsmannschaft Thuringia, dem heutigen Corps Thuringia Leipzig, das Band aufnahm.

Körner genoss das verbindungsstudentische Leben in vollen Zügen, schlug jedoch oft über die Stränge und war in zahlreiche Raufereien verwickelt. Wegen eines verbotenen Duells musste er schließlich nach Berlin wechseln, wo er sich für Geschichte und Philosophie einschrieb und das Corps Guestphalia stiftete. Zu dieser wilden Zeit erschein auch sein erster Gedichtband Knospen.

Nach einer Kur im Sommer 1811 in Karlsbad zog es Körner in die Kaiserstadt Wien, wo er durch Vermittlung des Dramatikers August von Kotzebue eine Anstellung als Theaterdichter erhielt. Dort schrieb er nun in rascher Folge für das Burgtheater verschiedene Stücke wie Die Braut, Der grüne Domino oder Der Nachtwächter. Als Dramenautor und Lyriker war sein Einkommen nun gesichert.

Als Preußens König Friedrich Wilhelm III. nach der Niederlage Frankreichs in Russland 1813 sein Volk zur Erhebung gegen die napoleonische Fremdherrschaft aufrief, bat Theodor Körner seinen Vater schriftlich um Einwilligung, als Freiwilliger in den Krieg gegen die Besatzungstruppen des französischen Kaisers gehen zu dürfen. C

Christian Gottfried Körner, der nicht minder patriotisch gesinnt, gab nicht nur seine Einwilligung, sondern folgte im Alter von 57 Jahren selbst noch dem Ruf zu den Waffen. Sein Sohn trat nach einem langen Fußmarsch von Wien nach Breslau in die sich gerade formierende Freischar des Majors Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow ein.

Schon bald folgte der Abmarsch des Freikorps Lützow in Richtung Sachsen, um weitere Männer zu rekrutieren. Über Striegau und Jauer gelangten sie so am 31. März nach Goldberg, wo Körner sein kraftvolles Gedicht „Aufruf“ schrieb. Ihm wurde in seiner sächsischen Heimat dann auch die Ehre zuteil, seine Landsleute in einer Proklamation zu den Fahnen zu rufen.

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Lützows «wilde verwegene Jagd» stürmte gegen die Franzosen.Foto: Richard Knötel, CC0, Wikimedia Commons

Über Löbau und Bautzen kommend, traf Körner am 6. April als Marschkommissar in der kleidsamen schwarzen Uniform der Lützower mit roten Vorstößen und goldfarbenen Messingknöpfen in Dresden ein. Dort sahen nicht nur die Eltern ihren geliebten Sohn wieder, Theodor lernte auch den im Hause seines Vaters als Gast weilenden Ernst Moritz Arndt kennen, der sein Vorhaben bekräftigte. Von Dresden aus ging es weiter nach Leipzig, wo Körner das bekannteste seiner Freiheitslieder, „Lützows wilde Jagd“, verfasste.

Körners Tod

Am 12. Mai erhielt der inzwischen zum Leutnant beförderte Dichter seine Feuertaufe im Gefecht an der Görde. Zunächst hatte sich der an Gewaltmärsche gewöhnte Körner der Infanterie angeschlossen, dies jedoch bereits am 2. Mai bei der Schlacht von Großgörschen – auf historischem Boden, wo 180 Jahre zuvor der schwedische König Gustav Adolf gefallen war – bereut, denn man stand dort tatenlos in Reserve und ging an der Elbe auf und ab. Als er kurz darauf erfuhr, dass Lützow mit seiner Reiterei einen Streifzug nach Thüringen unternehmen wollte, ließ er sich von diesem zu seinem Adjutanten ernennen und wurde Kavallerist.

Da schon bald sowohl die Franzosen als auch die Preußen und Russen, die zudem auf einen Beitritt Österreichs zum Bündnis gegen Napoleon hofften, erschöpft waren, folgte am 4. Juni ein Waffenstillstand, zunächst bis zum 20. Juli, dann bis zum 10. August verlängert wurde. Beide Seiten nutzten die gewonnene Zeit, um weitere Truppen auszuheben und auszubilden.

Am 7. Juni wurden die Lützower bei Kitzen, 20 Kilometer südwestlich von Leipzig, von den Franzosen arglistig getäuscht und überfallen. General Fournier brach die Waffenruhe mit den Worten: „L’armistice pour tout le monde, excepté pour vous!“ – „Der Waffenstillstand gilt für alle, außer für Euch!“ Bei dem Gefecht wurde Theodor Körner schwer verwundet, konnte sich jedoch noch in ein kleines Gehölz flüchten. Bauern fanden ihn dort und brachten ihn auf dem Wasserweg durch die feindlichen Reihen. Dem Tode nahe, schrieb der Verwundete in Kitzen das Sonett „Abschied vom Leben“.

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Körner-Tafel an der Leipziger Oper. | Foto: ALoK, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

Erst im August 1813 konnte er wieder zu seiner Einheit zurückkehren, die mittlerweile nach Norddeutschland verlegt worden war. Die Lützower warteten am rechten Elbufer oberhalb Hamburgs auf die Wiederaufnahme der Kämpfe. Mit fortgesetzten Streifzügen setzten sie, und nun auch wieder Körner, den Truppen Napoleons immer mehr zu.

Als am 26. August ein feindlicher Truppentransport gemeldet wurde, gab es für die Männer kein Halten mehr. Entschlossen gingen die Jäger im Forst Rosenow, unweit von Gadebusch, zum Angriff über. Körner stand als Adjutant an der Seite seines Majors.

Noch eine Stunde zuvor hatte er während einer Rast seinen Schwanengesang, das „Schwertlied“ gedichtet. Während der Verfolgung der Franzosen im Wald wurde Theodor Körner von einer feindlichen Kugel getroffen und fiel tot von seinem Pferd. Ihm war damit nicht vergönnt, den Sieg der Preußen, Österreicher, Russen und Schweden über die Franzosen in der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) mitzuerleben. Postum veröffentlichte der Vater eine Gedichtsammlung, die den Titel Leyer und Schwerdt – daher auch die Verzierung seines Grabmales in Wöbbelin unter einer alten Eiche.

Zeichen der Hoffnung

Selbst zu DDR-Zeiten wurde der Name Körners in Ehren gehalten, etwa in Form des Theodor-Körner-Preises, der für besondere Verdienste bei der Förderung und Entwicklung künstlerischen Schaffens verliehen wurde. Preisträger sind unter anderem die Schauspieler Armin Mueller-Stahl, Fred Delmare und Hans-Peter Minetti sowie der Schriftsteller Günter Karau.

Dass an diesem, seinem 230. Geburtstag, keine angemessene Würdigung des Geistesheroen stattfindet, ist für eine Kulturnation wie die deutsche beschämend. Dass zumindest die jüngsten Nachkommen derer, für die er einst seine Gedichte schrieb und für deren Freiheit er in den Tod ging, ihm vor fünf Jahren ein ehrendes Andenken bereiteten, war doch ein so großes Zeichen der Hoffnung.


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