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Gegen das Vergessen: Der Nemmersdorf-Comic

swaine1988
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Autor: Gast Autor
Quelle: https://www.compact-online.de/...
2023-03-13, Ansichten 415
Gegen das Vergessen: Der Nemmersdorf-Comic

Es ist das gewagteste Comic-Projekt des Jahres: „Oktober 44: Die Befreiung von Nemmersdorf“ zeigt, was bundesdeutsche Historiker, Medien und sogar die Berliner Vertreibungsausstellung verschweigen. Hier mehr erfahren.

_ von Gero Bernhardt

Der konservative US-Politiker Patrick J. Buchanan sagte einmal:

„Die Welt weiß alles, was die Deutschen getan haben. Die Welt weiß nichts von dem, was den Deutschen angetan wurde.“

Dem muss man leider zustimmen. Während Schüler und Studenten heutzutage mit Mit – oftmals sogar gefälschten oder verzerrten – Informationen über deutsche Kriegsverbrechen geradezu überfüttert werden (sodass der Schuss oftmals nach hinten losgeht), drohen die Schandtaten der Alliierten in Vergessenheit zu geraten. Aus der medialen Wahrnehmung sind sie ohnehin schon verschwunden.

Exemplarisch für die Tabuisierung und das Verdrängen solcher Verbrechen steht das jüngst in Berlin eröffnete „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, das in seiner Ausstellungskonzeption das schreckliche Massaker, das Soldaten der Roten Armee im Oktober 1944 im ostpreußischen Nemmersdorf an Männern, Frauen und Kindern anrichteten, zwar in wenigen Sätzen historisch einordnet, in der fertigen Dauerausstellung im Obergeschoss jedoch mit keiner Silbe erwähnt.

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Die Deutschen machen eine furchtbare Entdeckung: Abbildung aus der Graphic Novel „Oktober 44: Die Befreiung von Nemmersdorf“ , die Sie hier bestellen können. Foto: Hydra-Comics

Das ist unfassbar, weil die Morde von Nemmersdorf in vielen Publikationen über Ostpreußen 1944/1945 als Fanal zu Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten bezeichnet werden. Um diese unverzeihbare Geschichtslücke in der bundesdeutschen Erinnerungskultur zu schließen, hat ein patriotischer Comic-Verlag aus Dresden einen unkonventionellen Weg gewählt: Das Massaker und die Rückeroberung des Ortes durch die deutsche Wehrmacht werden in Form einer Graphic Novel mit dem Titel „Oktober 44: Die Befreiung von Nemmersdorf“ aufgearbeitet. Ein durchaus gewagtes Unterfangen, das jedoch geglückt ist.

Mit einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne gelang es Ostland Comics, einem Imprint von Hydra-Comics, „Oktober 44: Die Befreiung von Nemmersdorf“ vorzufinanzieren. Erzählt wird die Geschichte von jungen ostpreußischen Söhnen und kriegsversehrten Veteranen, die von der militärischen Führung auf ein Himmelfahrtskommando gegen eine sowjetische Übermacht geschickt werden, die Angst und Schrecken des Krieges erleben und schließlich doch noch das Dorf befreien können.

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Die Wehrmacht erobert Nemmersdorf zurück: Abbildung aus der Graphic Novel „Oktober 44: Die Befreiung von Nemmersdorf“ , die Sie hier bestellen können. Foto: Hydra-Comics

Der Autor von „Oktober 44: Die Befreiung von Nemmersdorf“, Markus Pruss, ist studierter Historiker mit Schwerpunkt auf Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa. Entgegen sowjetischer Dementi machen es seine jüngsten Entdeckungen in den Archiven des Auswärtigen Amts und dem Freiburger Militärarchiv überaus wahrscheinlich, dass es auch in Nemmersdorf tatsächlich zu einer großen Anzahl an Übergriffen der sowjetischen Truppen auf die Zivilbevölkerung kam.

Kommunisten prangern Morde an

An Untaten wie in Nemmersdorf verzweifelten oftmals sogar jene, die mit den Sowjets sympathisierten. In seinem Buch „Der Tod und Gewalt: die Vertreibung als völkerrechtliches, politisches, ethisches, soziales und geschichtliches Problem“ zitiert der Pädagoge und Zeitgeschichtler Werner Trautmann einen Augenzeugenbericht des Frontbeauftragten Günther H. Zahn vom prokommunistischen Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD):

„In Schiedlow, südwestlich Oppeln, sah ich einmal zwanzig Rotarmisten vor der Leiche einer zu Tode geschändeten, sicherlich über 60 Jahre alten Frau Schlange stehen. Sie johlten und schrien und warteten darauf, ihre viehischen Gelüste an dem bereits leblosen Körper zu befriedigen.“

Heinrich Graf von Einsiedel, Vizepräsident des auf Veranlassung Stalins gebildeten NKFD, das aus Wehrmachtsangehörigen bestand, die in Gefangenschaft übergelaufen waren, berichtete seinen Kameraden nach Rückkehr von einem Frontbesuch in Ostpreußen Anfang 1945:

„Die Russen sind verrückt nach Wodka und Schnaps aller Art. Sie vergewaltigen Frauen, besaufen sich bis zur Bewusstlosigkeit und stecken Häuser in Brand.“

In seinem Tagebuch notierte der Graf, der von 1994 bis 1998 für die PDS im Deutschen Bundestag saß:

„In den letzten Tagen, seitdem ich wieder beim Frontstab bin, sind nach und nach alle unsere Helfer bei den Divisionen in Ostpreußen hier eingetroffen. Sie haben den Untergang von Ostpreußen miterlebt – den Hunnensturm. Sie sahen die russische Soldateska Städte und Dörfer niederbrennen. Sie sahen sie Gefangene und Zivilisten erschießen, Frauen vergewaltigen und Lazarette mit dem Kolben in ein Totenhaus verwandeln. Sie sahen sie Spritballone und Parfümflaschen aussaufen, plündern, zerstören, sengen und brennen. (…) Sie haben eine Vernichtungsorgie erlebt, wie sie noch kein zivilisierter Landstrich über sich hat ergehen lassen müssen. Nur wenige können die Tränen zurückhalten, wenn sie hiervon erzählen.“

Wenn selbst eingefleischte Kommunisten, die sich auf die Seite der Roten Armee schlugen, solche Verbrechen deutlich anprangerten – warum schweigen dann bundesdeutsche Historiker und Journalisten dazu?

Gegen das Vergessen: Die Graphic Novel „Oktober 44: Die Befreiung von Nemmersdorf“ erinnert an ein Kriegsverbrechen, das die bundesdeutsche Erinnerungskultur vollkommen ausblendet. Empfehlenswert für die jüngere Generation, aber auch für alle anderen, die an wahrheitsgetreuer Geschichtsschreibung und Comics interessiert sind. Hier bestellen.


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