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Die Rothschilds: Geschäfte in der Judengasse

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Autor: Daniell Pföhringer
Quelle: https://www.compact-online.de/...
2021-10-13, Ansichten 179
Die Rothschilds: Geschäfte in der Judengasse

Sie gelten als erfolgreichste Dynastie aller Zeiten und dienten den Nazis als Beleg für ihre antisemitische Theorie einer „jüdischen Weltverschwörung“. Kennzeichnend war von Anfang an ihre Nähe zur Macht – und das Wissen um entscheidende Entwicklungen. Lesen Sie die ganze Geschichte der bis heute einflussreichen Familie in der Biografie Die Rothschilds von Egon Caesar Conte Corti. Hier mehr erfahren.

Als Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels im Frühjahr 1940 den Endschnitt von Die Rothschilds in Augenschein nimmt, ist er vollauf begeistert: Der Film zeige „das Judentum, wie es ist“. Tatsächlich zeichnet der Propagandafilm die Geschichte der Familie weitgehend wirklichkeitsgetreu nach, doch er strotzt vor Stereotypen und perfiden Verzerrungen.

Am Ende erscheint ein Davidstern über der Karte Europas: Sechs Finanzplätze werden als „Filialen Jerusalems“ mit einer Linie verbunden. Dann folgt der zynische Schlusskommentar:

„Als die Arbeit an diesem Filmwerk beendet war, verließen die letzten Nachkommen der Rothschilds Europa als Flüchtlinge. Der Kampf gegen ihre Helfershelfer in England, die britische Plutokratie, geht weiter.“

Das Machwerk aus der NS-Giftküche erschwert bis heute einen sachlichen Blick auf die Tatsachen.

Aufstieg einer Dynastie

Der sagenhafte Aufstieg der Dynastie hatte seinen Ursprung in der Frankfurter Judengasse. Dort am Main wurde 1743 oder 1744 – eine Geburtsurkunde fehlt – Mayer Amschel Rothschild geboren. Der Name seiner Familie leitete sich von deren Stammhaus, dem Haus zum Roten Schild, ab.

Der ehemalige stellvertretende Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt, Fritz Backhaus, beschreibt in seinem Buch Mayer Amschel Rothschild. Ein biografisches Porträt die damalige Situation im jüdischen Viertel anschaulich:

„Rabbiner und Gelehrte, Kaufleute und Hoffinanziers machten die Frankfurter Judengasse zu einer der wichtigsten jüdischen Gemeinden Europas und prägten das Ghetto des 17. und 18. Jahrhunderts sicher ebenso wie die vielen Hausierer, Bettler und Dienstboten, die das Straßenbild der Gasse dominierten. Insgesamt wohnten in dieser nur knapp 330 Meter langen Gasse ca. 3.000 Menschen, verteilt auf 195 Wohnhäuser. Als eine der größten jüdischen Gemeinden in Deutschland war Frankfurt auch ein Anziehungspunkt für die vielen armen Juden, die vagabundierend über das Land zogen und nirgendwo ein festes Aufenthaltsrecht hatten.“

Mayer_Amschel_Rothschild_Easy-Resize.com_.jpgMayer Amschel Rothschild, Stammvater der schwerreichen Finanzdynastie. Foto: CC0 / Wikimedia Commons

Schon als Jugendlicher wurde Mayer Amschel von seinem Vater nach Hannover geschickt, um als Gehilfe im Bank- und Handelshaus Oppenheim zu arbeiten. Hier erwarb er die notwendigen Kenntnisse, um fortan selbst im Finanzbereich tätig zu sein. Mit 20 Jahren kehrte er in seine Heimatstadt zurück und eröffnete mit seinem Bruder Kalman ein Handelsgeschäft für Antiquitäten und Münzen.

1770 heiratete er die damals 16-jährige Gutle Schnapper, die eine hohe Mitgift in die arrangierte Ehe einbrachte. Das Paar sollte 20 Kinder bekommen, von denen allerdings nur fünf Töchter und fünf Söhne überlebten, die zwischen 1771 und 1792 geboren wurden.

Nach und nach vergrößerte sich Mayer Amschels Vermögen – erst recht, nachdem er den Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel, den späteren Kurfürsten Wilhelm I., als Kunden gewinnen konnte.

Durch den Handel mit Wechseln, Heereslieferungen und schließlich eigenen Finanzprodukten stieg Rothschild schon bald zu einem der gefragtesten Bankiers im deutschen Raum auf. 1797 wies sein Handels- und Bankhaus bereits ein Firmenvermögen von 108.504 Gulden aus – mit nur etwa 2.000 Gulden hatte er einst begonnen. Seine Geschäftsverbindungen reichten von Hamburg, Bremen, Leipzig und Berlin bis nach Wien, London, Paris und Amsterdam.

„Unruhige Zeiten, gute Geschäfte“

„Unruhige Zeiten, gute Geschäfte“ – so beschreibt Rothschild-Biograf Backhaus die Jahre, die 1792 mit den Koalitionskriegen Österreichs, Preußens und Englands gegen Frankreich begannen:

„Der Angriff auf das revolutionäre Frankreich löste einen Krieg aus, der Europa über 20 Jahre verwüsten und die territoriale Landkarte ebenso wie die politische Ordnung der Staaten gründlich verändern sollte. Für Mayer Amschel Rothschilds berufliche Entwicklung jedoch boten diese unruhigen Zeiten neue Chancen. Gleich zu Beginn des Krieges hatte er einen Lieferungsvertrag mit der gegen Frankreich kämpfenden kaiserlichen Armee abschließen können.“

Als der Begründer der Finanzdynastie 1812 starb, hatte er weit in die Zukunft gedacht. In seinem Testament bestimmte er, dass alle Schlüsselpositionen des Hauses nur mit männlichen Familienmitgliedern zu besetzen sind und die weiblichen Mitglieder, ihre Ehemänner und die Kinder ihren Anteil aus dem Nachlass nur unter der Bedingung erhalten, dass dessen Verwaltung bei den männlichen Mitgliedern bleibt.

Zudem sollten fortan nur Vettern und Cousinen ersten und zweiten Grades miteinander verheiratet werden, um den Besitz beisammenzuhalten. Vier der Söhne Mayer Amschel Rothschilds – Nathan, Salomon, Kalman und Jakob – zogen daraufhin an die wichtigsten Finanzplätze Europas, während einer – Amschel – in Frankfurt blieb, um das Stammhaus fortzuführen.

Lesen Sie hier demnächst im zweiten Teil, wie die Rothschilds ihr Finanznetz ausbauten.

In seiner Biografie Die Rothschilds zeichnet Egon Caesar Conte Corti Aufstieg, Blütezeit und Erbe der erfolgreichsten Finanzdynastie aller Zeiten nach. Das Buch enthält nicht nur zahlreiche Originalaussagen von Zeitzeugen, sondern auch einzigartige historische Quellen, da Corti Zugang zu Privatarchiven hatten, die anderen verschlossen blieben. Die wahre und ganze Geschichte der Rothschilds. Hier bestellen.


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